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Start Themen Vorträge Bürgertum, Geistlichkeit, Universität und die Herzöge von Pommern im Spiegel der Greifswalder Inschriften

Bürgertum, Geistlichkeit, Universität und die Herzöge von Pommern im Spiegel der Greifswalder Inschriften

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Jürgen Herold, Christine Magin

 

Vortrag am 18. Januar 2010 im Dom St. Nikolai anlässlich der Präsentation des Buches Die Inschriften der Stadt Greifswald, ges. und bearb. von Jürgen Herold, Christine Magin, Wiesbaden 2009 (Die deutschen Inschriften 77).

 

Zum Ort der Buchpräsentation

Der Dom St. Nikolai zu Greifswald, in den wir Sie für den heutigen Abend eingeladen haben, ist der ideale Ort, um den druckfrischen Band „Die Inschriften der Stadt Greifswald bis zum Jahr 1650“ der Öffentlichkeit zu präsentieren. Diese Kirche ist zwar nicht das Gebäude mit den meisten Greifswalder Inschriften, denn in der St. Marienkirche finden sich einige mehr. Aber hier treffen wie an keinem anderen Ort dieser Stadt die verschiedenen sozialen und politischen Schichten, die unterschiedlichen Personengruppen und Institutionen, die durch Inschriften repräsentiert werden, zusammen. Nur hier finden wir Inschriften aus so vielen Milieus unter einem Dach vereint: aus dem städtisch-bürgerlichen, dem universitären, dem landesherrlichen, dem klerikalen und – verursacht durch die Wechselfälle der Geschichte – auch dem klösterlichen Milieu.

Die Gründung der Greifswalder Arbeitsstelle

Die „Inschriften der Stadt Greifswald“ ist der erste Band aus unserer, der Greifswalder Arbeitsstelle Inschriften. Als im Jahr 2002 diese Arbeitsstelle auf Initiative von Herrn Prof. Ulrich Schindel und Frau Dr. Christine Wulf durch die Göttinger Akademie der Wissenschaften eingerichtet wurde, geschah dies vornehmlich, um die Inschriften des nordostdeutschen Hanseraums mit ihren Besonderheiten in das Gesamtunternehmen aufzunehmen. Worin aber bestehen die Besonderheiten der Inschriften im Nordosten Deutschlands? Die epigrafische Überlieferung der Hansestädte von Lübeck über Wismar, Rostock und Stralsund bis Greifswald unterscheidet sich von denen der übrigen Regionen in augenfälliger Weise durch den besonders hohen Anteil an Inschriften auf Grabplatten. In Greifswald machen im Erfassungszeitraum bis 1650 die Grabplatten 80 Prozent aller Objekte mit Inschriften aus. Wer allerdings erwartet, eine große Zahl ästhetisch ansprechender, künstlerisch hochstehender Platten mit elaborierten Texten vorzufinden, wird enttäuscht sein. Wenn Sie sich in dieser Kirche umschauen, werden Sie bemerken, dass die meisten Platten in ihrer Gestaltung eher schlicht sind, zudem häufig erheblich beschädigt oder abgenutzt. Ihnen wird aber auch auffallen, dass infolge fortwährender Weiternutzung der Grabplatten und Grabstellen in vielen Fällen der ursprünglichen Inschrift weitere hinzugefügt wurden. Auf einer Grabplatte findet man heute bis zu sieben Inschriften aus verschiedenen Zeiten, von etwa 1300 bis kurz nach 1800, also verteilt über ein halbes Jahrtausend. Noch ein weiteres charakteristischen Merkmal kann man feststellen, nämlich dass seit dem 16. Jahrhundert vornehmlich solche Inschriften angebracht wurden, die das Eigentum einer Person oder Korporation an der Grabplatte und der Grabstelle vermerken. Diese Texte, auch der älteren Zeit, sind zwar überwiegend seriell geformt, unterliegen aber auch einem Wandel in der Zeit, der auf kulturelle Veränderungen verweist.